Minuten, Stunden, Tage: Wie viel Aufwand ist ein Podcast?

Stefan TeschBlog, Corporate Podcasting

Aufwand Podcast

Einen Podcast zu planen ist ein Aufwand von mehreren Tagen bis Wochen. Eine Folge nimmt ein bis zwei Arbeitstage in Anspruch. Welche Schritte wie viel Zeit benötigen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Oft werde ich gefragt, wie viel Aufwand denn so ein Podcast sei. Gerade für Unternehmen, die einen Corporate Podcast herausgeben wollen, ein brennendes Thema. Denn wie viele Mitarbeiter muss man dafür abstellen, wenn ich vieles inhouse machen möchte? Podcasts sind ein jungen Medienphänomen. Sie klingen locker und easy, doch der Aufwand hinter der Produktion ist nicht zu unterschätzen. In diesem Beitrag versuche ich als Entwickler und Produzent von Corporate Podcasts einen groben Überblick über den Zeitaufwand zu geben. Wie es auf der Kostenseite aussieht, finden Sie im Beitrag Preisbeispiel: Die Kosten für einen Corporate Podcast.

Planung & Konzeption

Wenig überraschend ist, dass ein eigener Podcast (Corporate Podcast bzw. Unternehmenspodcast) zuerst einiges an Planung braucht. Was möchte ich mit diesem Medium erreichen? Möchte ich etwa Kunden gewinnen oder binden? Dient der Podcast als Kanal für die interne Kommunikation? (Mehr dazu im Beitrag Die Ziele des Corporate Podcasts). Ein Format zu überlegen bedeutet, nicht nur die Zielgruppe genau zu kennen, sondern auch an der inhaltlichen Ausrichten zu tüfteln und sich einen groben Redaktionsplan für die nächsten Monate zu überlegen. Je nach Erscheinungsintervall (mehr dazu im Beitrag Wie oft soll ein Podcast erscheinen?) ergibt sich daraus der Planungsaufwand. Für den Anfang ist ein monatlicher Erscheinungsintervall empfehlenswert; wer sich ambitionierte Ziele steckt, erscheint alle 14 Tage. Bei ersterem sollt man sich Themen für acht Folgen überlegen, um inklusive „Starterpackage“ (man geht nicht nur mit einer einzigen Folge zu Beginn online) für das erste halbe Jahr gerüstet zu sein.

Nicht vergessen: Der Podcast braucht auch einen Namen!

Zeitaufwand: Mehrere Tage (am besten mit Pausen dazwischen, um Konzepte nochmals zu überarbeiten und durchzudenken sowie den Markt und bestehende Formate zu beobachten).

Sounddesign & Grafik

Nun geht es um die „Verpackung“ des Podcasts. Wie soll das Sounddesign klingen? Gibt es vom Unternehmen schon ein bestehendes Audiologo, das sich für die Signation eignet? Wenn nicht, geht es an den Ideenfindungsprozess eines solchen Audiologos samt Produktion von Intro, Outro und Trailer für den Podcast mit einem Tontechniker/Sounddesigner und ggf. einem professionellen Sprecher.

Ebenso benötigt Ihr Podcast ein „Cover“, also eine Grafik, mit der er auf den Podcast-Plattformen aufscheint. Wer möchte, kann auch pro Folge ein individualisiertes Cover erstellen (z.B. mit Foto des Interviewten).

Zeitaufwand: 1–2 Tage

Vorbereitung der Podcast-Folge

Das beliebteste Format ist das Interview. Dieses Zweiergespräch, in dem einer fragt und der andere antwortet, ist angenehm zu hören und gut zu strukturieren. Ähnlich ist es beim Dialog, also dem Gespräch zwischen zwei „Experten“ (mehr dazu im Beitrag Interview, Solo Reportage: Welches Podcast-Format ist das beste?). Je nach dem, wie gut sich die Gesprächspartner kennen und wie fit sie in ihrem Thema sind, macht es Sinn, sich einen groben Leitfaden für das Gespräch zurechtzulegen. In der Praxis ist ein Spickzettel mit Bulletpoints hilfreich. Bei externen Gästen, die man in seinen Podcast einlädt, benötigt es meist Vorgespräche, um danach einen Leitfaden zu erstellen und mit dem Gegenüber abzustimmen.

Zeitaufwand: Mehrere Stunden pro Folge (Einlesen ins Thema, Vorgespräch mit den Interviewpartnern, und die Erstellung eines groben Gesprächsleitfadens sind für einen guten Podcast ein hoher Aufwand.)

Aufnahme

Jetzt wird’s ernst! Vorausgesetzt man hat das passende Equipment und einen akustisch geeigneten Raum, geht es nun darum das Gesprochene „auf Band“ zu bringen. An dieser Stelle macht sich die gute Vorbereitung sowie das Briefing der Gäste bezahlt, in dem das Gespräch locker und flüssig abläuft. Eine angenehme Atmosphäre ohne Stress und ohne zu vieler „Zaungäste“ ist dabei hilfreich.

Manche bevorzugen die Aufnahme in einem Tonstudio, wo man sich um Dinge wie Technik und Akustik keine Gedanken manchen muss. Andere lagern die Aufnahme von Podcasts an externe Podcast-Produzenten aus, die – so wie ich – mit einem mobilen Studio den Kunden vor Ort besuchen und die Aufnahme etwa in einem Besprechungsraum oder im Büro durchführen. Ein Aufmerksamer Producer hört nicht nur auf die Tonqualität sondern lässt nach dem Gespräch den einen oder anderen Satz nochmals sprechen, um bei der Produktion ein höheres Ergebnis zu erzielen (siehe auch Beitrag So finde ich den richtigen Podcast-Produzenten).

Zeitaufwand: 1–2 Stunden (Gesprächszeit plus Auf- und Abbau des Equipments sowie Einrichten)

TIPP: Bringen Sie Ihre ersten Podcast-Ideen zu Papier und laden Sie hier den kostenlosen Podcast-Plan herunter!

Postproduktion

Ist eine Podcast-Folge im Kasten, geht es ans „Sichten“, also ans Durchhören des Materials. Bei Interviews und Dialogen wird meist an der Chronologie des Gesprächs nichts verändert, sondern Versprächer, „Ähms“, Räusperer, Pausen & Co. entfernt. Lange Gespräche werden gekürzt. Ebenso wichtig wie der Inhalt, ist die Qualität der Produktion: Saubere Schnitte, Soundoptimierungen à la Kompression, Anpassungen am Equalizer und die Einstellung des richtigen Pegels. All dies entscheidet, ob die fertige Podcast-Folge „rund“ klingt. Je stimmiger das Gesamtergebnis, desto höher ist in der Regel der Aufwand für den Podcast. In der Postproduktion verschmilzt auch das vorab produzierte Sounddesign (Intro, Jingle, Outro,..) mit dem Gespräch.

Zeitbedarf: Aufgenommene Zeit mal Faktor 3–4

(Ausnahme in der Postproduktion ist die Reportage bzw. der gebaute Beitrage, bei dem zusätzlich ein Erzähler zum Einsatz kommt und Textpassagen mehrerer Gesprächspartner kombiniert werden. Der Zeitfaktor ist bei der Reportage um ein Vielfaches höher als beim Interview.)

Publishing, Hosting, Shownotes, Audiogram

Die fertige Soundfile wird nun auf den Podcast-Hoster seiner Wahl (Podigee, Simplecast, …) hochgeladen, die neue Folge mit Shownotes versehen, ggf. ein individualisiertes Folgen-Cover kreiert und hochgeladen. Und fürs Teilen auf Social Media produziert man am besten noch ein Audiogram (z.B. via Headliner).

Zeitbedarf: 30–60 Minuten

Fazit

Nun haben Sie einen Überblick bekommen, wie viel Aufwand ein eigener Podcast mit all seinen Teilbereichen ist. Sind Sie bereit für die Summe?

Konzeption: ca. 1 Woche (für die Planung und Einrichtung des „Kanals“)

Zeitaufwand pro Folge: ca. 12–20 Stunden

Titelfoto: ritupon-baishya/Unsplash